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Das Urlaubs-Dilemma: Kreuzfahrt vs. Roadtrip
Schiffsreise oder Auto-Urlaub mit Hotel?
Frage:
Ein Pärchen schwankt für den Sommerurlaub zwischen einer 2-wöchigen Kreuzfahrt ab Hamburg ins Mittelmeer und einem klassischen Roadtrip mit dem Auto inklusive Hotelübernachtungen. Wie viele Jahre lang müsste das Pärchen JEDES JAHR den Auto-Urlaub wiederholen, um genauso viel giftiges Schwefeldioxid (SO2) zu verursachen wie auf einer einzigen Kreuzfahrt?
Richtige Antwort: D) ca. 30.000 Jahre
Klingt völlig absurd, ist aber reine Chemie: Auf der Kreuzfahrt verursachen zwei Personen durch das verbrannte Schweröl ca. 180 kg Schwefeldioxid. Beim Auto-Urlaub an Land sind es für Fahrt und Hotel zusammen gerade einmal 6 Gramm! Weil Auto-Kraftstoffe in Europa gesetzlich extrem sauber gefiltert sind und Hotels an Land keinen Schiffsabfall verbrennen, schlägt das Schiff hier gnadenlos zu. Das Pärchen müsste also 30.000 Jahre lang jeden Sommer mit dem Auto in den Urlaub fahren, um die Schwefel-Schuld einer einzigen Kreuzfahrt einzufahren.
: Fakten-Check: Die genaue Berechnung und die Gesetzeslage für Schiffe
Die Umweltproblematik von Kreuzfahrtschiffen
1. Der Treibstoff: Schweröl
Obwohl es strenge internationale Umweltauflagen gibt, verbrennen viele Kreuzfahrtschiffe auf offener See außerhalb von Küstenschutzzonen nach wie vor Schweröl (Heavy Fuel Oil). Das ist im Grunde der zähflüssige Abfallrest, der bei der Benzin- und Dieselraffination in den Ölwerken übrig bleibt. Er ist billig, aber eben extrem schwefelhaltig.
2. Der "Hotelbetrieb" steht niemals still
Ein Containerschiff braucht vor allem dann Energie, wenn es fährt. Ein Kreuzfahrtschiff hingegen ist eine schwimmende Kleinstadt mit 3.000 bis 7.000 Menschen an Bord. Selbst wenn das Schiff im Hafen liegt, laufen die gigantischen Motoren (oder Hilfsdiesel) Tag und Nacht durch, um Strom für Klimaanlagen, Küchen, Pools, Theater und Elektronik zu erzeugen. Sie stoßen also auch direkt vor den Städten der Urlaubsregionen massiv SO₂ aus.
3. Die "Tricks" der Reedereien (und warum das Problem bleibt)
Um die seit 2020 verschärften Grenzwerte der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) einzuhalten, nutzen viele Reedereien sogenannte Scrubber (Abgaswaschanlagen).
Das Prinzip klingt sauber, hat aber einen riesigen Haken:
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In den Schornstein wird Meerwasser gesprüht. Das Wasser bindet das Schwefeldioxid (SO₂) aus dem Abgas. Die Luft, die oben rauskommt, ist danach tatsächlich schwefelärmer.
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Bei den am häufigsten genutzten "Open-Loop-Scrubbern" wird dieses saure, mit Schwefel und Schwermetallen belastete Waschwasser danach einfach direkt ins Meer gekippt.
Man verwandelt also ein Luftproblem in ein Wasserproblem. Weil dieses "Abwasser-Dumping" die Meere massiv schädigt, verbieten immer mehr Länder und Häfen (wie ganz aktuell Dänemark, Finnland und viele europäische Häfen) den Einsatz dieser offenen Scrubber in ihren Gewässern. Die Schiffe müssen dort dann auf teureren, schwefelarmen Treibstoff umstellen.
Die Berechnung
1. Die Kreuzfahrt (Hamburg > Mittelmeer > Hamburg)
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Die Strecke: Eine solche Route (ca. 14 Tage hin und zurück) kommt auf ungefähr 6.000 Kilometer (ca. 3.200 Seemeilen) auf dem Wasser.
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Der Schiffsausstoß: Ein großes, modernes Kreuzfahrtschiff stößt im Schnitt ca. 15 Gramm SO₂ pro Kilometer aus – allerdings pro Passagier (der immense Energiebedarf für den Hotelbetrieb und die Fahrt wird hier fair durch die ca. 3.000 bis 4.000 Passagiere geteilt).
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Rechnung für 2 Personen:
$$6.000\text{ km} \cdot 15\text{ g } SO_2/\text{km} \cdot 2\text{ Personen} = 180.000\text{ Gramm}$$
🚢 Ergebnis Kreuzfahrt: Das Pärchen verursacht auf dieser Reise satte 180 kg SO₂.
2. Die Alternative: Der Auto- & Hotelurlaub
Nehmen wir an, das Pärchen fährt stattdessen mit dem eigenen Mittelklasse-Verbrenner ins Mittelmeer (z. B. an die Côte d'Azur oder Adria) und übernachtet dort in Hotels.
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Die Fahrt (Auto): Hin- und Rückfahrt plus Ausflüge vor Ort ergeben großzügige 3.500 Kilometer.
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Der Auto-Ausstoß: Da europäischer Sprit fast schwefelfrei ist, stößt ein modernes Auto gerade einmal 0,0005 Gramm SO₂ pro Kilometer aus.
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Rechnung: \(3.500\text{ km} \cdot 0,0005\text{ g/km} = 1,75\text{ Gramm}\).
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Die Übernachtung: Hotels an Land verbrennen kein Schweröl. Sie nutzen Strom aus dem normalen Netz (Mix aus Erneuerbaren, Gas, Kohle). Die Kohlekraftwerke im Netz stoßen zwar etwas Schwefel aus, aber durch moderne Filteranlagen ist das verschwindend gering. Das macht im Schnitt etwa 0,3 Gramm SO₂ pro Zimmer und Nacht.
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Rechnung (14 Nächte): $14 \cdot 0,3\text{ g} = 4,2\text{ Gramm}$.
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🚗🏨 Ergebnis Auto + Hotel: Zusammen (Fahrt + Hotel) stößt das Pärchen mickrige 5,95 Gramm (gerundet 6 Gramm) SO₂ aus.