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Ernährungssouveränität als Common
Der frühe Munizipalismus im Westen musste sich berechtigte Kritik gefallen lassen: Er war anfangs eine Bewegung von weißen Menschen aus wohlhabenden Industrienationen. Dabei war es der globale Süden, der die Pionierarbeit für eine echte partizipative Demokratie geleistet hat.
Schon 1994 erhob sich die indigene Widerstandsbewegung der Zapatisten in Mexiko gegen den globalen Freihandel und den Neoliberalismus. Etwa zur selben Zeit gründete sich die La Via Campesina (der bäuerliche Weg) – heute die größte soziale Bewegung Südamerikas. Sie ist die unüberhörbare Stimme des Südens. Ihr zentrales Ziel lautet: Ernährungssouveränität. Die Menschen müssen die Landwirtschaft wieder in die eigenen Hände nehmen, um schlicht zu überleben.
Essen ist das absolut grundlegendste Bedürfnis des Menschen. Deshalb muss die Ernährung ein unantastbares Gemeingut – ein Common – sein. Die Realität im globalen Süden ist jedoch eine andere. Durch den andauernden Neokolonialismus werden fruchtbare Flächen massenhaft für den Anbau von Luxusgütern, Futtermitteln oder sogar Schnittblumen für den Export in die reichen Industrieländer missbraucht, während die lokale Bevölkerung hungert.
Zudem zwang das westliche Agrarmodell den Kleinbauern hybrides Saatgut auf. Sie dürfen es nicht selbst vermehren, sondern müssen es jedes Jahr zusammen mit teuren chemischen Düngemitteln und Pestiziden von multinationalen Konzernen neu kaufen – eine finanzielle Falle, die unzählige Familien in den Ruin treibt. In Südafrika beispielsweise – einer der größten Agrarexportnationen der Welt – hungern über 26 Prozent der Bevölkerung, weil 80 Prozent des Landes von einer kleinen Elite weißer Großbauern bewirtschaftet werden. Ein brutales, koloniales Erbe.
Dagegen wehrt sich seit 2015 die South African Food Sovereignty Campaign (SAFSC). Sie schafft eine Plattform für Kleinbauern, gründet Agrarkooperativen und belebt das Wissen über traditionelle, nachhaltige Landwirtschaft ohne Chemie wieder. Lokale NGOs verleihen Maschinen, die Bauern nutzen ihr eigenes, freies Saatgut und brechen so die Abhängigkeit von den Tech-Giganten. Es ist der erfolgreiche Versuch, die Commons direkt auf dem Acker zurückzuerobern.