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Der Blick in die Geschichte: Die Commons
Der dritte Weg: Commons als Alternative zu Markt und Staat
Um zu verstehen, wie wir diesen unheilbaren Riss im Stoffwechsel der Erde heilen können, richtete der späte Marx seinen Fokus auf Gesellschaften, die dem Kapitalismus entgangen waren. Nach 1868 stürzte er sich in das Studium vorkapitalistischer Eigentumsverhältnisse und lernte sogar Russisch, um die Funktionsweise der Mir (einer traditionellen russischen Dorfgemeinschaft) zu entschlüsseln.
Er stellte fest: Diese Gemeinschaften besaßen ein jahrhundertealtes Geheimnis für Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit, das auf dem Prinzip der Commons (Gemeingüter oder von Marx „Gemeinbesitz“ genannt) beruhte.
Das Vorbild der germanischen Markgenossenschaften
Marx studierte intensiv die Arbeiten des Agrarhistorikers Carl Fraas. Dieser beschrieb, wie der Raubbau (etwa die großflächige Abholzung) im antiken Griechenland, in Ägypten und Mesopotamien zu lokalen Klimaveränderungen und letztlich zum unumkehrbaren Kollaps ganzer Zivilisationen führte. Fraas zeigte jedoch auch eine faszinierende Ausnahme: die historischen germanischen Markgenossenschaften.
Diese frühen Agrargemeinschaften schützten ihre Ressourcen durch extrem strenge, demokratische Regeln vor der Gier des Marktes:
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Der Grund und Boden war kollektives Allgemeineigentum.
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Es war strikt verboten, Holz, Wein oder Vieh an Außenstehende zu verkaufen.
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Ackerflächen wurden in regelmäßigen Abständen per Losverfahren neu verteilt.
Dieses Rotationsprinzip verhinderte, dass einzelne Bauern die fruchtbarsten Böden monopolisierten und ausbeuteten. Es gab eine inhärente soziale Tendenz zur Gleichheit, die direkt an die Bewahrung der Bodennährstoffe gekoppelt war. Gerechtigkeit und ökologische Nachhaltigkeit waren untrennbar miteinander verwoben.
Commons statt Staatsallmacht
Die Commons sind ein echter dritter Weg. Sie stehen im direkten Widerspruch zum amerikanischen Neoliberalismus (wo alles privatisiert und dem Markt geopfert wird), aber ebenso im Widerspruch zur bürokratischen Verstaatlichung sowjetischer Prägung (wo eine Elite von oben nach unten diktiert).
Die historische Wahrheit über den Sozialstaat: Errungenschaften wie Krankenkassen, Rentensysteme oder Arbeitslosenhilfen wurden ursprünglich keineswegs von gütigen Regierungen erfunden. Sie wurden von Gewerkschaften, Nachbarschaftsvereinen und genossenschaftlichen Kooperativen als selbstverwaltete Commons ins Leben gerufen – getragen von dem Willen, die nackte Existenz des Menschen dem Zugriff des Marktes zu entziehen. Erst im neoliberalen Kahlschlag der 1980er Jahre wurden diese sozialen Netze systematisch privatisiert, geschwächt und vom Markt verschluckt.
Eine bloße Rückkehr zum alten Wohlfahrtsstaat reicht heute nicht mehr aus. Der vertikale, autoritäre Charakter des Staates kollidiert mit der horizontalen, demokratischen Natur der Commons. Wir müssen die Lebensgrundlagen – Wasser, Strom, Wohnen, Gesundheit, Bildung und den Nahverkehr – als globale Commons von der Verwertungsmaschinerie des Kapitals zurückfordern.