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Warum "sanftes" Degrowth im Kapitalismus eine Utopie ist
Der Systemfehler: Warum man dem Kapitalismus das Wachstum nicht austreiben kann
Warum können wir diesen Wandel nicht einfach sanft und reformorientiert innerhalb unseres jetzigen Systems umsetzen? Weil ein Green New Deal im Kapitalismus ein logischer Widerspruch in sich ist. Der Kapitalismus kann nicht ohne Wachstum existieren. Er ist ein System, das darauf programmiert ist, permanent investiertes Kapital durch die Produktion von Waren zu vermehren, Märkte zu expandieren und Gewinne zu steigern.
Selbst wenn die Krisen eskalieren, passt sich der Kapitalismus an und macht daraus ein Geschäft (Katastrophenkapitalismus):
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Mehr Waldbrände? Ein Riesenmarkt für neue Versicherungen und Löschtechnologien.
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Heuschreckenplagen? Höhere Gewinne für die Pestizidindustrie.
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Schmelzendes Polareis? Endlich freie Fahrt für Containerschiffe und neue Ölbohrungen in der Arktis.
Der Kapitalismus wird die Erde so lange radikal verändern und ausbeuten, bis sie für den Menschen schlicht unbewohnbar ist. Er hört nicht von alleine auf.
Das Versagen der "alten" Degrowth-Debatte
Die traditionelle Degrowth-Bewegung, die seit den 1970er Jahren existiert, greift zu kurz. Der Sozialökonom Keishi Saeki argumentierte beispielsweise nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, man müsse den Sozialismus vergessen. Es reiche völlig aus, den neoliberalen Marktfundamentalismus durch demokratisch-sozialstaatliche Institutionen zu zähmen und Anreize für unkommerzielle, soziale Aktivitäten zu setzen.
Auch Ökonomen wie Joseph E. Stiglitz fordern einen „progressiven Kapitalismus“ durch höhere Steuern für Superreiche, Mindestlöhne und Monopolverbote. Sie versprechen uns, dass sich das Wachstum dadurch erholt und alle wieder in die Mittelschicht aufsteigen lassen.
Der Philosoph Slavoj Žižek zertrümmert diese Illusion mit einer einfachen historischen Frage: Wenn das so leicht über Gesetze ginge, warum hat man es dann nicht getan? Als der regulierte Kapitalismus in den 1970er Jahren in eine schwere Krise geriet und die Profitraten sanken, wurden die Regeln nicht verschärft, sondern im Gegenteil massiv abgebaut (Neoliberalismus). Würde man heute versuchen, die Konzerne so radikal zu regulieren, wie Stiglitz es fordert, würde das System kollabieren. Die Kapitalisten würden sofort mit Kapitalflucht, dem gezielten Absturz von Aktienkursen und dem Boykott von Staatsanleihen reagieren, um jede Regierung in die Knie zu zwingen.
Die Kapitulation vor dem Kapital
Sogar Kate Raworth denkt in ihrer Donut-Ökonomie letztlich nicht außerhalb kapitalistischer Kategorien. Sie klammert die Eigentumsverhältnisse und die zwingende Logik der kapitalistischen Produktionsweise aus. Doch wer das tut, hat vor der realen Macht des Kapitals bereits kapituliert.
Es gibt keinen Kompromiss zwischen Kapitalismus und Degrowth. Ihn vom Wachstumszwang heilen zu wollen, ist eine naive Utopie. Wenn wir den Kollaps verhindern wollen, müssen wir den Kapitalismus aus eigener Kraft stoppen. Die neue Degrowth-Theorie muss radikaler sein. Sie muss das angstbesetzte Wort offen aussprechen und neu definieren: Wir brauchen einen demokratischen, ökologischen Kommunismus.
Dass bei diesem Begriff sofort das Bild der umweltzerstörenden, autoritären Sowjetunion aufploppt, ist verständlich – beruht aber auf einem fundamentalen Missverständnis dessen, was Karl Marx eigentlich mit dem Begriff "Kommunismus" gemeint hat. Dazu mehr im nächsten Kapitel.
Das ist der theoretische Meilenstein deines Buchs. Die Rehabilitation von Karl Marx – weg vom verstaubten Image des sowjetischen Staatskapitalismus, hin zum Vordenker der modernen Ökologie – bricht mit fast allen gängigen Klischees.
Um diese dichten, hochspannenden Erkenntnisse der MEGA-Forschung für das Web lesbar zu machen, teilen wir diesen Abschnitt in drei perfekt portionierte Unterseiten auf. Ich habe historische Zitate wirksam in Szene gesetzt und den Wandel seiner Theorien am Ende in einer klaren Tabelle zusammengefasst.