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Jenseits des BIP
Wo Staaten bereits gegen den Wachstumszwang rebellieren.
„Wir können das Klima nicht allein retten“ – dieses Argument führt meistens direkt in die Hilflosigkeit oder wird als Freifahrtschein genutzt, den Status quo nicht zu hinterfragen.
Doch diese Denkweise ist ein Trugschluss. Denn wir stehen keineswegs allein da: Es gibt sie längst, die positiven Gegenbeispiele jenseits des klassischen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Diese Seite zeigt konkrete Ansätze und Staaten, die Saitos Konzepte von einem nachhaltigen, gemeinwohlorientierten System bereits erfolgreich in die Praxis umsetzen. Ein Blick auf das, was heute schon möglich ist.
Das indigene Konzept des Buen Vivir („Gutes Leben“ oder auf Quechua Sumak Kawsay) hat Ecuador und Bolivien tatsächlich in ihre Verfassungen integriert, um Rechte für die Natur zu verankern und sich vom reinen westlichen Wachstumsdenken zu distanzieren.
Wenn wir uns heute weltweit umschauen, gibt es zwar keinen Staat, der sich offiziell als „Saitoistischer Öko-Kommunismus“ bezeichnet, aber es gibt einige bemerkenswerte Beispiele, in denen Nationalstaaten Teilaspekte von Saitos zentralen Forderungen (Postwachstum / Degrowth, Vergesellschaftung von Lebensgrundlagen und Abkehr vom BIP-Wachstum) als offizielle Staatsziele verankert haben:
1. Das „Wellbeing Economies“-Bündnis (Neuseeland, Schottland, Island, Wales, Finnland)
Saito fordert, dass Staaten aufhören müssen, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als alleinigen Maßstab für Erfolg zu nutzen, weil es Umweltzerstörung ignoriert.
Mehrere fortschrittliche Regierungen haben sich zur Wellbeing Economy Governments (WEGo) zusammengeschlossen. Das prominenteste Beispiel ist Neuseeland:
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Die Umsetzung: Neuseeland hat einen offiziellen Wellbeing Budget-Ansatz eingeführt. Das bedeutet: Bei jedem Gesetz und jeder Staatsausgabe darf nicht mehr nur gefragt werden „Bringt das Wirtschaftswachstum?“, sondern es muss anhand von Indikatoren nachgewiesen werden, ob es die mentale Gesundheit der Bürger verbessert, Kinderarmut senkt oder die Dekarbonisierung der Industrie vorantreibt. Schadet ein Projekt der Umwelt, kriegt es kein Geld – selbst wenn es das BIP steigern würde.
2. Bhutan und das Bruttonationalglück
Das wohl radikalste und älteste Beispiel für die Abkehr vom kapitalistischen Wachstumsparadigma auf staatlicher Ebene.
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Die Umsetzung: Bereits seit den 1970er Jahren ist in Bhutans Verfassung festgeschrieben, dass das Bruttonationalglück (Gross National Happiness) wichtiger ist als das Bruttoinlandsprodukt.
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Der Bezug zu Saito: Wirtschaftswachstum ist hier per Gesetz den Zielen des Umweltschutzes (mindestens 60% des Landes müssen bewaldet bleiben, Bhutan ist CO₂-negativ) und der kulturellen Bewahrung untergeordnet. Es zeigt in der Praxis, dass ein Staat die unbegrenzte Profitmaximierung politisch aktiv deckeln kann.
3. Wales und der „Future Generations Act“
Saito betont immer wieder die Verantwortung für die commons (die Gemeingüter) und die kommenden Generationen, die unter dem heutigen Klimawandel leiden werden.
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Die Umsetzung: Wales hat 2015 den Well-being of Future Generations Act erlassen und eine unabhängige Kommissarin eingesetzt. Dieses Gesetz verpflichtet alle öffentlichen Einrichtungen in Wales (von der Regierung bis zu den Kommunen) rechtlich dazu, bei jeder Entscheidung zu prüfen, welche langfristigen Auswirkungen das auf Menschen hat, die in 30, 50 oder 100 Jahren dort leben werden. Es ist ein staatlicher Riegel gegen den kapitalistischen Kurzzeit-Fokus auf das nächste Quartal.
Fazit
An diesen Beispielen sieht man ganz deutlich: Saitos Ideen sind keine reine Theorie aus dem Elfenbeinturm. Diese Staaten sind die wegweisenden Real-Labore unserer Zeit. Auch wenn sie auf dem Weg zu einer vollständigen Systemwende erst am Anfang stehen, beweisen sie schon heute das Wichtigste: Man kann ein Land erfolgreich regieren, ohne das ewige Wirtschaftswachstum als oberste Religion anzubeten. Sie zeigen, dass der erste Schritt machbar ist.