Wer hat Angst vor Google?

Antwort: Die Deutschen. Mittlerweile ist es Fakt in Deutschland: Google macht Angst. Zumindest stand das so im „Focus“. Darüber wird gar nicht mehr diskutiert, das ist einfach so. Nicht etwa, weil es dafür einen triftigen Grund gäbe, sondern einfach deswegen weil die Medien in Deutschland unisono Google als den großen Bösewicht darstellen, der unsere Daten sammelt und eine Art finstere Überwachungsmaschinerie ist, die man seinesgleichen nur in SciFi Romanen und Filmen wiederfindet.
Mir macht aber etwas ganz anderes Sorge und zwar, wie perfekt die große Gehirnwaschmaschinerie: „Medien“ funktioniert.


Wenn ich mit Leuten über Google spreche bekomme ich roboterhaft immer die gleichen Phrasen zu hören.  „Google sammelt von jedem einzelnen Daten ohne zu fragen und hat von jedem ein Profil, wenn das in falsche Hände gerät, Gnade uns Gott.“
Wenn die Leute das Internet nutzen kommt oft noch das Argument: „Ich persönlich finde das  toll, was Google macht, aber die verletzen den Datenschutz.“….etc.

Die meisten Menschen sind so gehirngewaschen, dass Sie sich schon gar nicht mehr trauen zu sagen ich finde „Google cool, Punkt“.

Ich bin kein Insider von Google, aber was ich an Argumenten gegen Google sehe oder höre, ist meist an den Haaren herbeigezogen oder schichtweg falsch.

Bevor ich auf die Argumente eingehe, möchte ich kurz erläutern, was eine IP Adresse ist. Jeder der sich im Netz bewegt, sendet eine IP Adresse. Anhand dieser IP Adresse werden ihm die angeforderten Seiten zugeschickt. Welcher Kunde zu dieser IP Adresse gehört, ist bei dem Netzanbieter des Kunden gespeichert (Telekom usw.). Die Kundenadressen zu den IP Adressen dürfen nur auf richterlichen Beschluss an Strafverfolgungsbehörden weitergegeben werden. Man hat nicht immer dieselbe IP Adresse, die kann sich bei jeder „Internetsitzung“ ändern. Ohne die IP Adressen würde das Internet nicht funktionieren,  Man benötigt diese IP Adressen auch für dynamische Seiten, wie Shops etc.

Nun will ich mal auf die Argumente gegen Google eingehen.

Das Argument: Google ist ein Monopol.
Google ist kein Monopol. Es gab und gibt auch andere Suchmaschinen, die man nutzen kann. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als Google die Bühne betrat. Damals gab es große Suchmaschinen, wie Yahoo, Lycos, Alta Vista, einige machten viel Werbung im Fernsehen. Dann kam die kleine Google Suchmaschine, damals noch ein Insider Tipp. Man suchte etwas und bekam sofort die richtig guten Seiten angezeigt und das funktioniert trotz SEO Aktivitäten immer noch super.  Das hat Google groß gemacht. Es steht also jedem frei, eine andere Suchmaschine zu benutzen. Google nutzt auch seine Vormachtstellung nicht aus. Die Seiten, die bezahlen, um vorne zu stehen, sind deutlich von den anderen Seiten getrennt zu erkennen. Fairer geht es nicht. Google muss das nicht so machen. Die können ihre Seite anlegen und gestalten wie sie wollen. Ich bin auch kein Befürworter von Monopolbildung, vor allen Dingen dann nicht, wenn die Monopolstellung durch einfachen Machtzuwachs erreicht wird. Bei Google sehe ich da aber was anderes. Google ist immer größer geworden, weil sie immer wieder mit neuen innovativen Ideen aufwarteten, während beispielsweise Automobilfirmen immer größer werden weil sie andere Firmen schlucken. Oder es gibt Firmen, die Ideen und Erfindungen anderer als eigene ausgeben und als Revolution im Netz verkaufen. Das funktioniert nur, weil die Firma es geschafft hat, sich einen Namen zu machen, an den die Kunden glauben wie an einen Gott. Es ist ja auch einfacher an eine Marke zu glauben, als sich bei jedem Kauf neu zu informieren. Man spricht hier auch vom Stockholm Syndrom.

Das Argument: Google sammelt Nutzerdaten und wertet diese aus und hält diese geheim. So kann Google von jedem ein Profil erstellen.

Nutzerdaten sammeln und Nutzerverhalten analysieren, ist das Normalste von der Welt und wurde immer schon gemacht. Dahinter stecken allerdings anonyme Personen. Google ist überhaupt nicht in der Lage nur anhand der IP Adresse einen wirklichen Nutzer mit Namen und Adresse zu erkennen. Wenn es keine Datensammlung und Analyse von Nutzerverhalten geben würde, würde hier gar nichts mehr funktionieren. Überall werden solche Dinge gesammelt. Selbst wenn ich mit dem Auto über die Straße fahre, kann es sein, dass mein Fahrverhalten gerade für irgendeine Studie gefilmt, analysiert und ausgewertet wird. Später werden nach solchen Daten dann Ampeln geschaltet oder Straßen gebaut. Genau das gleiche geschieht auch im Netz. Wenn jemand meine Seite besucht, kann ich anhand der Statistik genau analysieren, welche Seiten er besucht hat, wie lange er auf meiner Homepage war etc. Nach solchen Analysen kann ich meine Webseite dann optimieren. Wenn ich beispielsweise an der Statistik sehe meine Homepage wird pro Tag 200 mal besucht aber es werden im Schnitt nur 2 Seiten aufgerufen, weiß ich, meine Seite wird gut gefunden, aber auch sofort wieder verlassen. Solche Vorgänge sind normal und wichtig und nichts anderes macht Google auch, nur etwas ausgeklügelter. Wichtig ist dabei nur, dass man wissen sollte, hinter all diesen IP Adressen stehen keine wirklichen Menschen, sondern nur anonyme IP Adressen. Auch eine große Firma wie Google hat keinen Zugriff auf den Computer, der hinter einer IP Adresse steht. Es sei denn der User gibt in einem Formular auf einer Google Seite seine Daten ein oder man meldet sich bei einem Google Dienst an oder man erlaubt Google explizit das eigene Surfverhalten zu speichern. Da es genug Menschen gibt, die das erlauben, hat Google es auch gar nicht nötig sich auf illegale Weise Adressen zu beschaffen.

Das Argument, ich kann bei Google nach jemanden suchen und Google zeigt mir alle Seiten an, wo diese Person vorkommt. So kann sich ein Chef ein genaues Bild dieser Person machen. Natürlich kann ich in einer Suchmaschine nach etwas suchen und bekomme dann alles zu dem Thema angezeigt. Das ist der Sinn einer Suchmaschine. Das hat nichts mit Google zu tun, sondern mit Suchmaschinen generell. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich nach einer Person suche oder nach einem Pinseläffchen. Wenn jemand nicht möchte, dass er im Netz erscheint, sollte er nichts über sich im Netz veröffentlichen und wenn er dennoch Seiten über sich findet, sollte er sich an den Betreiber der Seite wenden, mit der Aufforderung oder Bitte, diese Einträge aus dem Netz zu löschen. Google kann da gar nichts machen und Google ist da auch nicht der richtige Ansprechpartner. Selbst wenn Google die Seiten aus dem Index nimmt wären sie ja nicht aus dem Netz verschwunden. Ganz im Gegenteil, man kann eigentlich dankbar sein, dass Google die Recherche übernimmt und einem alle Seiten anzeigt,  so dass man sich an die Betreiber wenden kann, um diese Inhalte löschen zu lassen.

Das super Argument, welches ich schon öfter gehört habe geht so: „Ich gebe bei Google einen Suchbegriff ein, dann gehe ich auf eine ganz andere Seite, die mit Google gar nichts zu tun hat und finde dort in der Google Ad Sense Werbung genau das, was ich vorher bei Google gesucht hab. Ja die verfolgen mich doch!“.
Wer sich ein bischen mit Webprogrammierung auskennt, weiß, dass man Inhalte von mehreren Domains auf ein und er selben „Browserseite“ darstellen kann. Man kennt doch diese Youtube Videos, die nicht direkt bei Youtube, sondern auf irgend einer anderen Seite erscheinen. Genau das gleiche geschieht bei Google Adsense. Wenn ich also auf einer Seite Google Adsense Werbung sehe, so werden diese Inhalte von Google bereitgestellt. Also verfolgt Google niemanden sondern für Google bist du immer noch die gleiche IP, die gerade einen Suchbegriff eingegeben hat und Google zeigt dir dazu Angebote. Nichts anderes geschieht auf zig anderen kommerziellen Seiten und Shops. Ich suche etwas und bekomme Dinge angzeigt, die mich auch interessieren könnte. Für den Laien sieht es so aus, als würde Google hier irgend „jemanden“ verfolgen. Aber das ist nicht der Fall, auch wenn es scheinbar eine andere Seite ist. Außerdem schrieb ich bereits, dass es sich hierbei sowieso nur um IP Adressen handelt, denen Google keine Person zuordnen kann. Noch ein anderes Beispiel, welches programmiertechnisch der gleiche Vorgang ist. Wenn ich in einem Shop Waren aussuche und in den Warenkorb lege und anschließend zum Verkauf gehe, um die Waren zu bestellen und erst dann aufgefordert werde meine Adresse einzugeben oder mich einzuloggen, passiert genau das gleiche. Die in den Warenkorb gelegten Artikel werden einer IP Adresse zugeordnet. Anders wäre so eine PHP Programmierung gar nicht möglich.

Das Argument eine Diktatur könnte mit den Google Daten ganz schnell einen Überwachungsstaat aufbauen. Das ist so ziemlich das lächerlichste der Argumente. Wozu braucht denn ein Überwachungsstaat ausgerechnet Google? Google, eine Firma, die die Community fördert und quasi genau den Gegenpol zu einem Überwachungsstaat verkörpert. Kein Nachrichtendienst braucht Google, um irgendwen zu überwachen oder zu bespitzeln. Das einzige wozu Google in dem Zusammanhang dienen kann, ist als Sündenbock oder Buhmann zu fungieren, um von den eigenen Machenschaften abzulenken. So klopfen sich ja auch hierzulande die Politiker auf die eigenen Schultern und feiern sich als die großen Datenschützer, die den übermächtigen Google Moloch mit seinem Überwachungsinstrument „Streetview“ in die Knie zwingen. Realsatiere pur.

Das Argument Google Streetview: Da kann die Ehefrau den Ehemann erkennen, wie er gerade vor dem Puff steht oder eine andere Frau knutscht. Das würde ich mal unter der Rubrik „an den Haaren herbeigezogen“ verbuchen. Ich frage mich auch, wieso sich noch niemand darüber beklagt hat, dass ständig irgendwelche Fernsehdokumentationen laufen, wo Leute gefilmt werden, die beispielsweise durch die Dortmunder Innenstadt laufen. Wird da jeder nach seinem Einverständnis gefragt? Ich glaube nicht. Zumindest wird sowas überhaupt nicht hinterfragt, weil es ja auch zu lächerlich ist. Ganz im Gegenteil, wenn jemand im Fernsehen oder in der Zeitung erscheint ist er ganz stolz. Aber bei Google ist das ganz gefährlich, da muss man Angst haben. Die meisten Leute in Google Streetview kann man übrigens sowieso nicht erkennen und Google löscht ja auch jeden, der gelöscht werden will, Google macht sowieso nichts, was verboten oder illegal ist. Aber auch das scheint keine Rolle zu spielen. Denn Google ist böse, böse, böse und das hat Deutschland jetzt gefressen.

Ich habe keine Angst vor Google, aber man sollte sich mal fragen, ob man sich nicht viel mehr Gedanken darüber machen sollte, wie die Menschen hier auf Kurs gebracht werden und wie gut das funktioniert.

Es gibt genug Skandale im Netz und anderswo, wo tausende von Leuten  abgezockt werden und der Datenschutz mit Füßen getreten wird,  aber das scheint hier keinen Reporter  zu interessieren.

6 Gedanken zu „Wer hat Angst vor Google?

  1. Google spielt mit offenen Karten. Erschreckend ist unser Staat, der nur diskutieren kann, aber sonst nichts zustande bringt. Von Burda Wireless werden viele abgezockt. Ich hatte plötzlich ein Abonnement an der Backe das Ich angeblich per SMS bestätigt hatte. Als ich dann zum Rechtsanwalt ging war das Abonnement plötzlich per SMS gekündigt. Ich hab in meinem ganzen Leben noch keine SMS verschickt aber so was ist fast nicht zu beweisen.

  2. Lieber Pastor Pickel,

    ich war im Religionsunterricht immer schlecht und habe meine Konfirmiermations–Therapie ohne Angabe von Gründen abgebrochen. Kein Pastor guckt mich mehr mit dem Arsch an. Du bist meine letzte Hoffnung.

    mfg
    Michael „Der auf ewig Verdammte“ Morawietz

  3. Ich glaube Du unterschätzt die Macht Googles. Zumindest wenn man Unternehmer ist und man sich mit seinem Unternehmen nicht bei Google anmeldet, dann exisitert man nicht wirklich. Es ist doch Fakt, dass die meisten Menschen Google nutzen. Google wird ja schon richtig angebetet. Früher oder später wir Google alle Menschen in seinen Bann ziehen und man kann dann praktisch ohne Google nicht mehr sein, wenn man nicht benachteiligt sein will.
    Man benötigt nicht viel Intelligenz, um das „Google-Spielchen“ weiterzudenken und die Macht, die dahinter steckt, zu erkennen. Noch ist Google relativ harmlos…noch! Mir fällt da z.B. das Stichwort „Lobby“ ein. Sobald Google den Hebel an großen Unternehmen ansetzten kann, werden auch wir – das Volk – das zu spüren bekommen. Ich hoffe, dass ich mich irre.
    P.s.: So wie es Dir mit Deinem Abonnement erging, so kann es auch passieren, dass man andere Daten von Dir manipuliert, sobald man nur die wichtigsten Daten im Netz findet. Was würde passieren, wenn Google z.B. mit Amazon undercover arbeiten würde (und keiner davon erfährt)? Wer weiss wo Google seine Finger bereits reingesteckt hat.

  4. Ich unterschätze nicht die Macht Googles, sondern prangere das inkompetente Geschwätz der Medien und Journalisten an. Da die meisten Leute diese „Informationen“ konsumieren anstatt kritisch zu betrachten, plappern sie alles nach, auch wenn sie es gar nicht verstanden haben. Da ist die Berichterstattung über Google nur ein Beispiel unter vielen.

    Ein Unternehmen kann bei Google Werbung schalten, aber man kann sich nicht bei der Suchmaschine anmelden. Von daher ist deine Behauptung falsch, dass ein Unternehmen praktisch nicht existiert wenn es nicht bei Google angemeldet ist. Wenn die Site relevant und beliebt ist, wird sie auch ohne Werbung und ohne SEO Aktivitäten im Pagerank oben stehen.

    Eine Firma wie Google, die erfolgreich ist und wächst, hat zwangsläufig auch Machtzuwachs. Aber man kann doch nicht einfach behaupten, dass jede Firma, die Macht hat, diese Macht auch mißbraucht. Ich kann mir auch viel vorstellen, aber ich verkaufe meine Vorstellungen und Ängste nicht als Fakten, nur um den Anschein zu erwecken, ich würde investigativen Journalismus betreiben.
    Was wäre denn die Alternative? Gar keine Suchmaschine?
    Meine Anforderungen an eine gute Suchmaschine werden von Google immer noch erfüllt.
    1) Die Werbeseiten kenntlich zu machen,
    2) die SEO Aktivitäten ins Leere laufen zu lassen,
    3) die relevanten Seiten am Anfang zu plazieren und
    4) keine Suchergebnisse zu liefern die sich am Userprofil orientieren, davon ausgenommen ist die kenntlich gemachte Werbung.

  5. Angst, Hetze, Lügen…. Guter Google –> Böser Google?
    Das ist doch großer Quatsch.
    Jeder sollte sich selber fragen, wie er mit seinen Daten umgeht und wo er sie hinterlässt.
    Die Datensammler finden nur das, was auch da ist.
    Und ich bin sicher, dass die Meister des Datensammelns nicht immer die sind, die jeder kennt.
    Ob Rabattkarten, Payback, instagram, facebook, twitter oder wie immer es sich nennen mögen, alle haben das gemeinsam, was der Suchmaschine meist fehlt, einen Namen (egal ob Klar- oder Username und oft auch eine Adresse), dem sie alle Aktivitäten zuordnen können.
    Wer diese Daten , ob nun legal oder auch nicht, zusammenzuführen in der Lage wäre, das wäre der, vor dem man Angst haben sollte.
    Sicher, man kann auch bei diesen „Kandidaten“ einiges vermeiden, aber kaum ohne sich selbst bei der Nutzung einzuschränken.
    Sucht einfach mal nach Eurem eigenen Namen, Adresse, Telefonnummer, Bildern und Ihr wedet staunen… so manches wird Euch bekannt vorkommen und wer weiß, vielleicht fällt Euch ein, wo die Quelle zu suchen ist.

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