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Das gute Leben für alle – Buen Vivir

Auch wenn all diese Bestrebungen – vom urbanen Garten in Detroit bis zur selbstverwalteten Kita in Tokio – im globalen Maßstab klein wirken: Sie sind die entscheidenden Mosaiksteine eines größeren, unaufhaltsamen Bildes. Genau in den Regionen und Städten, die vom globalen Kapitalismus am härtesten gebeutelt und im Stich gelassen wurden, wächst eine neue Art des Wirtschaftens. Hier liegt die Saat des Degrowth-Kommunismus.

In Südamerika verbindet sich dieser Widerstand mit einer uralten, indigenen Philosophie: dem Buen Vivir (spanisch für „gutes Leben“, im Original der Kichwa: Sumak Kawsay). Hier geht es nicht um den westlichen, egoistischen Wohlstand auf Kosten der Natur, sondern um ein Leben in harmonischer Gemeinschaft mit anderen Menschen und den Ökosystemen.

Dieses Konzept ist so kraftvoll, dass es nach massiven Protesten der indigenen Bevölkerung im Jahr 2008 sogar offiziell als Staatsziel in die neue Verfassung von Ecuador aufgenommen wurde. Der Staat ist seither rechtlich verpflichtet, seinen Bürgern dieses gute Leben zu garantieren.

Buen Vivir breitet sich mittlerweile weltweit als linke Leitidee aus. Es fordert uns auf, radikal von indigenen Kulturen zu lernen und das zerstörerische Streben nach dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu ersetzen durch das Streben nach dem BIG: dem Bruttoinlandsglück.

Dass dieser Kampf hochentzündlich und systemsprengend ist, zeigten auch die historischen Proteste gegen die Dakota-Access-Ölpipeline in der Standing Rock Reservation in den USA. Dort schlossen sich indigene Gemeinschaften mit Umweltaktivisten aus aller Welt zusammen, um die heiligen Wasserquellen vor der Gier der Ölkonzerne zu schützen. Aktivistinnen wie Naomi Klein machten dabei unmissverständlich klar: Der Kampf für das Klima und der Kampf gegen den Kapitalismus sind ein und dieselbe Schlacht.

Nur wenn wir den Kapitalismus überwinden, können wir den Riss im Stoffwechsel unserer Erde flicken. Nur so gewinnen wir die Hoffnung, die Zukunft und das gute Leben für alle zurück.