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Der Gegensatz von Wert und Gebrauchswert

Warum die Logik des Marktes langlebige Güter blockiert und uns in den ewigen Konsumzwang treibt.

Marx spricht in diesem Zusammenhang vom Grundwiderspruch der Ware: dem Widerspruch zwischen Wert und Gebrauchswert.

Im Kapitalismus dominiert die Logik des Tauschwerts, nicht des Gebrauchswerts. Der Nutzen einer Sache wird nur noch als Mittel zum Zweck angesehen, um daraus Profit zu schlagen.

Wir alle kennen die daraus resultierende Irrationalität: Viele Haushaltsgeräte aus der Generation unserer Großeltern funktionieren heute noch – sie waren buchstäblich „für die Ewigkeit gebaut“. Heute gibt es stattdessen immer mehr Wegwerf- und Einwegprodukte. Waren werden absichtlich mit Sollbruchstellen versehen (geplante Obsoleszenz), damit sie schnell kaputtgehen und neue Geräte gekauft werden müssen. Der Gebrauchswert wird bewusst künstlich niedrig gehalten, um den Absatz und damit den Profit zu steigern. Zudem sind viele Geräte so konstruiert, dass eine Reparatur extrem erschwert oder unmöglich gemacht wird. Auch hier wird Mangel erzeugt, um Profit zu generieren – denn langlebige Güter bedeuten Überfluss, und Überfluss ist der Feind des Marktes.

Nach exakt demselben Prinzip schafft selbst der Klimawandel neue Profit- und Geschäftsmöglichkeiten. Die Knappheit an sauberem Wasser, fruchtbaren Anbauflächen und sicherem Wohnraum nimmt drastisch zu. Wo die Nachfrage das schwindende Angebot übersteigt, steigen die Gewinne. Man spricht hier auch von einer „Klimawandel-Schock-Strategie“. Die Zunahme der globalen Knappheit auf Kosten des realen Gebrauchswerts steigert den individuellen Reichtum weniger Akteure. Solange dieser fundamentale Widerspruch zwischen Wert und Gebrauchswert besteht, kann es noch so viel Wirtschaftswachstum geben – die Lebensqualität der breiten Masse wird sich dadurch nicht erhöhen.

Stattdessen werden die Menschen zu endlosem Konsum getrieben. Mittels emotionalem Marketing und Markenprodukten wird der Eindruck erzeugt, als seien bestimmte Waren einzigartig und wertvoll. In Wirklichkeit handelt es sich auch hier um einen künstlich inszenierten Mangel, der die Gewinnspannen der Luxus- und Modemarken enorm in die Höhe treibt. Die Werbe- und Marketingindustrie ist mittlerweile die drittgrößte Industriesparte weltweit. Die reinen Verpackungskosten machen heute oft 10 bis 40 Prozent der Gesamtkosten eines Produkts aus, bei Kosmetika liegen sie manchmal sogar dreimal höher als der Wert des Inhalts. Hier werden gigantische Mengen an Plastik und Ressourcen verbraucht und sofort weggeworfen. Der eigentliche Gebrauchswert der Ware bleibt völlig gleich, aber den Konsumenten wird das Gefühl eines exklusiven, hochwertigen Produkts verkauft.

Die Menschen werden dazu gedrängt, ständig neue Dinge zu kaufen – sei es aus Frustration über entfremdete Arbeit oder aus dem Bedürfnis heraus, einen bestimmten Status darzustellen. Da die Freude über das Neue jedoch schnell verfliegt, verfällt man rasch in den nächsten Kaufrausch. Man bleibt in einem ewigen Kreislauf aus Arbeit und Konsum gefangen, ohne jemals wirklich zufrieden zu sein. Der Motor des Kapitalismus läuft genau über diese künstlich aufrechterhaltene Knappheit.

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Kommunismus bedeutet, sich die Commons zurückzuholen

Da der Kapitalismus künstliche Knappheit braucht, um zu funktionieren, ist realer Überfluss sein natürlicher Feind. Die Wiederherstellung der Commons und des kollektiven Überflusses ist daher das entscheidende Instrument, mit dem man den Kapitalismus überwinden kann.

In der heutigen Zeit sind mit Commons demokratisierte Produktionsmittel und Infrastrukturen gemeint, die selbstbestimmt und in flachen Hierarchien gemeinschaftlich verwaltet werden, um die Grundbedürfnisse der Menschen zu sichern. Dazu gehören beispielsweise die Elektrizitäts- und Wasserversorgung, der öffentliche Nahverkehr, das Gesundheitswesen und die Altersvorsorge. Das sind Lebensbereiche, die man niemals dem freien Markt überlassen darf. Da jeder Mensch Strom und Wasser benötigt, sollte der Zugang dazu als garantiertes Menschenrecht verankert sein.

Dabei geht es jedoch nicht darum, die Stromversorgung einfach stumpf zu verstaatlichen – denn staatliche Großbürokrationen neigen oft dazu, an starren, umweltschädlichen Technologien wie Atomkraft, Kohle oder Fracking-Gas festzuhalten. Bei echten Commons geht es darum, dass die Bürgerinnen und Bürger die direkte Kontrolle zurückerlangen – beispielsweise durch lokale Bürgerinitiativen oder Energiegenossenschaften, die erneuerbare Energien produzieren.

Sonnen- und Windenergie tragen die Eigenschaft des Überflusses bereits in sich: Sie sind unerschöpflich, können dezentral geerntet werden und lassen sich im Gegensatz zu Öl oder Kohle kaum monopolisieren. Dieser dezentrale Charakter kann genutzt werden, um ein Stromnetz aufzubauen, das nicht auf maximalen Profit, sondern auf Bedarfsorientierung ausgrichtet ist. Die erwirtschafteten Überschüsse fließen direkt zurück in die lokalen Gemeinden. Das stärkt die Gemeinschaft vor Ort, verbessert die Lebensqualität und weckt das Interesse der Menschen, sich selbst aktiv einzubringen. Solche erfolgreichen Modelle von Bürgerverwaltungen im Energiebereich gibt es bereits in Dänemark, Deutschland und Japan.

Aber auch die klassischen Produktionsmittel müssen als Commons organisiert werden – etwa in Form von Arbeitergenossenschaften. Hier ist das primäre Ziel der langfristige Fortbestand des Betriebes und das Wohl der Belegschaft, nicht die kurzfristige Gewinnmaximierung oder spekulative Finanzakrobatik.

Dass das keine Utopie ist, zeigen existierende Großprojekte:

Diese Genossenschaften leisten aktiven Widerstand gegen Armut, soziale Ungleichheit sowie Diskriminierung und bilden das Fundament für einen echten gesellschaftlichen Wandel. Je mehr gemeinsamer Überfluss in den entscheidenden Lebensbereichen wiederhergestellt wird, desto eher können sich die Menschen von Existenzsorgen, Arbeitshetze und dem Zwang zum Konsumismus befreien. Innerhalb des Kapitalismus, dessen innerstes Wesen die Knappheit ist, ist es schlicht unmöglich, dass alle zu echtem Wohlstand gelangen.