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Die Ohnmacht-Falle: Subsumtion unter das Kapital

Warum wir uns unfähig fühlen: Die Subsumtion unter das Kapital

Trotz der Erfolge realer Basisdemokratie hat die Tech-Utopie eines Aaron Bastani für viele Menschen eine stärkere Anziehungskraft. Das Prinzip ist denkbar simpel: Wir wählen alle paar Jahre, diskutieren ein bisschen in den sozialen Medien und delegieren die Probleme an Experten. Über unsere globale, ausbeuterische Lebensweise wird kein Wort verloren. Bastani kritisiert den Kapitalismus zwar oberflächlich, aber im Kern liebt und reproduziert er dessen Wachstumslogik.

Die Faszination für solche Modelle liegt an unserer tiefen, systemischen Hilflosigkeit. Die Menschen sind mittlerweile derart vom System abhängig, dass sie glauben, ohne den Kapitalismus schlicht nicht mehr überleben zu können.

Selbst Menschen mit einem ausgeprägten Umweltbewusstsein stecken in dieser Ohnmacht-Falle: Wir wissen im Grunde nicht mehr, wie man Fische fängt oder sich autark von der Natur ernährt. Wir sind existenziell darauf angewiesen, im Supermarkt einzukaufen – und damit die globalen Peripherien auszuplündern. Der Versuch, Nachhaltigkeit über bewussten Konsum zu erreichen, scheitert, weil der Markt jeden ethischen Konsum sofort vereinnahmt. Karl Marx nannte dieses Phänomen Subsumtion: Unser gesamtes Leben und Überleben wird vom Kapitalismus einverleibt.

Die Trennung von Planung und Ausführung

Ein zentrales Werkzeug dieser Unterordnung ist die systematische Zerschlagung unserer Fähigkeiten im Arbeitsprozess.

[Früheres Handwerk] ───► Handwerker beherrscht Planung UND Ausführung
(Identifikation, Stolz, kreative Selbstbestimmung)

[Kapitalismus] ───► Zerlegung in isolierte, stumpfe Arbeitsschritte
(Verlust der Fähigkeiten, reine Befehlsausführung)

Arbeit
"Arbeit" von Michael Albers

Früher hatte ein Handwerker die Fähigkeiten, ein Produkt von der ersten Skizze bis zur Fertigstellung eigenständig zu erschaffen. Er war stolz auf sein Werk. Fordert man von so einem Menschen, grundlos schneller zu arbeiten, rebelliert er oder verliert die Lust.

Der Kapitalismus bricht diese Einheit auf. Er trennt die geistige Planung von der körperlichen Ausführung. Die Arbeit wird in winzige, repetitive Schritte zerlegt, die jeder ohne Vorkenntnisse ausführen kann. Dadurch steigen zwar die gesellschaftlichen Produktivkräfte und die Profite, aber die Produktionsfähigkeit des einzelnen Menschen sinkt gegen Null. Er wird seiner Kreativität und seines Erfolgserlebnisses beraubt.

Diese moderne Subsumtion hat sich längst über den Arbeitsplatz hinaus in unseren gesamten Alltag gefressen. Wir führen nur noch die Befehle des Marktes aus. Das Schlimmste daran: Wir haben dadurch verlernt, uns eine andere Zukunft überhaupt vorzustellen.