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Die drei Dimensionen der Auslagerung

Nach uns die Sintflut: Die drei Dimensionen der kapitalistischen Flucht

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts erkannte Karl Marx das Prinzip der Externalisierung. Der Kapitalismus kann strukturell nicht ohne Auslagerung existieren. Er verschiebt seine Probleme in die Ferne, macht sie unsichtbar und treibt uns damit unaufhaltsam auf den kollektiven Kollaps zu. Saito identifiziert im Buch drei wesentliche Kategorien dieser Auslagerung:

1. Die technische Auslagerung: Der Bruch im Stoffwechsel mit der Natur

Der Kapitalismus versucht, ökologische Krisen rein technologisch zu lösen, und verschlimmert sie dadurch oft nur. Marx verdeutlichte das am Beispiel der Bodenerschöpfung: In einer nachhaltigen Landwirtschaft gibt es einen geschlossenen Bodenkreislauf (Gesetz des Ersatzes). Dem Boden werden die Nährstoffe wieder zurückgegeben, die ihm durch die Ernte entzogen wurden.

Der Kapitalismus bricht diesen Kreislauf. Lebensmittel werden in fernen Städten konsumiert, die Nährstoffe landen in der Kanalisation statt auf dem Feld. Um den ausgelaugten Monokulturen dennoch Höchsterträge abzupressen, erfand man das Haber-Bosch-Verfahren zur industriellen Herstellung von Kunstdünger. Das verbraucht gigantische Mengen Erdgas und verursacht enorme CO2-Emissionen. Zudem führt der massive Stickstoffeinsatz langfristig zur Übersäuerung der Böden, vergiftet das Grundwasser und zerstört ganze Ökosysteme. Eine mächtige Agrar-Lobby sorgt bis heute im Europaparlament dafür, dass Grenzwerte für Nitrat bewusst viel zu hoch angesetzt werden.

2. Die räumliche Auslagerung: Ökologischer Imperialismus

Wenn die eigenen Ressourcen erschöpft sind, weicht das Kapital geografisch aus. Im 19. Jahrhundert plünderte Europa den wertvollen Vogelkot (Guano) Südamerikas als Düngemittelersatz, ruinierte die dortige Natur und unterdrückte die Bevölkerung brutal. Heute exportieren wir unseren Plastikmüll, giftigen Elektroschrott und Sondermüll in arme Länder des globalen Südens, während wir dort unter verheerenden Bedingungen seltene Erden für unsere Smartphones abbauen lassen.

3. Die zeitliche Auslagerung: Die Plünderung der Zukunft

Die verheerendste Form ist die zeitliche Verschiebung. Wir verbrennen fossile Energieträger im Hier und Jetzt für den schnellen Profit, während die katastrophalen Folgen erst Jahrzehnte später eintreffen. Die Stimme zukünftiger Generationen wird eiskalt ignoriert. Das Argument der Ökonomen, wir müssten die Wirtschaft weiter anheizen, um künftige Reparatur-Technologien zu erfinden, ist angesichts der physikalischen Kipppunkte unhaltbar. Die technologische Umsetzung im großen Stil dauert viel zu lange und kann mit dem rasanten Tempo der Realität nicht mehr mithalten.

Die Sintflut schwappt an unsere Haustür

Der Kapitalismus gerät nun an seine absoluten Grenzen, weil es keinen freien Raum mehr zur Auslagerung gibt. Länder wie China oder Brasilien, die lange Zeit als Auffangbecken dienten, fordern nun ihr eigenes Wachstum ein. Die Krisen kehren zu ihrem Ursprung zurück:

Rechtspopulisten nutzen diese Ängste und Unsicherheiten der Bevölkerung für ihre nationalistische Hetze, spalten die Gesellschaft und gefährden unsere Demokratie. Wenn ein autoritäres System die schwindenden Ressourcen sichert, droht uns ein brutaler Klimafaschismus. Wie der Umweltaktivist Bill McKibben treffend sagte: „Bevor uns das Erdöl ausgeht, wird uns der Planet ausgehen.“

Wir stehen an einer historischen Weggabelung: Entweder stürzen wir mit dem kollabierenden kapitalistischen System ins Chaos – oder wir ersetzen es durch ein neues, stabiles und gerechtes Gesellschaftssystem.