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Die furchtlosen Pioniere
Wie Städte den Systemsturz vormachen.
Das Projekt „Fearless Cities“ (das Netzwerk der „furchtlosen Städte“, das in Barcelona gestartet ist) beruht auf der Idee: Wenn der Nationalstaat durch Lobbyismus und Wachstumszwang gelähmt ist, wird die Kommune zum radikalen Real-Labor.
Tübingen mit Boris Palmer ist in Deutschland ein bekanntes Beispiel (insbesondere durch die Solar-Pflicht auf Neubauten, die Verpackungssteuer auf Einweggeschirr und den massiven Ausbau der Radinfrastruktur). Aber es gibt in Europa und Deutschland noch viel radikalere, systemischere Wechsel, die perfekt zu Saitos Ideen passen.
Hier sind ein paar der faszinierendsten Leuchtturm-Projekte,
1. Amsterdam (Niederlande) – Die „Donut-Ökonomie“ als offizielles Gesetz
Wenn es ein perfektes europäisches Beispiel für Saitos Postwachstums-Ansatz gibt, dann ist es Amsterdam.
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Der totale Wechsel: Im Jahr 2020 hat die Stadt Amsterdam als weltweit erste Metropole die Donut-Ökonomie der Ökonomin Kate Raworth zu ihrer offiziellen, verbindlichen Richtlinie für alle politischen Entscheidungen gemacht.
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Das Prinzip: Die Stadtplanung fragt nicht mehr: „Bringt uns das Wirtschaftswachstum?“, sondern: „Bleibt dieses Projekt innerhalb des Donuts?“ Der innere Kreis des Donuts ist das soziale Fundament (Niemand darf hungern oder ohne Wohnung sein), der äußere Kreis ist die ökologische Grenze des Planeten (Klima, CO2, Ressourcen).
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Die Praxis: Amsterdam baut seither Stadtviertel fast nur noch aus zirkulären, nachwachsenden Rohstoffen (wie Holz) und hat ein striktes System zur Wiederverwendung aller Konsumgüter gestartet, um bis 2050 eine 100% kreislauforientierte Stadt zu werden.
2. Pontevedra (Spanien) – Die komplett autofreie Stadt
Während viele Städte in Deutschland noch über ein paar Parkplätze streiten, hat diese Stadt in Galicien den Systemsturz auf der Straße schon vor über 20 Jahren durchgezogen.
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Der totale Wechsel: Der Bürgermeister Miguel Anxo Fernández Lores zog 1999 folgendes Fazit: „Die Stadt gehörte nicht den Menschen, sondern den Autos.“ Er machte das gesamte 300.000 Quadratmeter große historische Zentrum über Nacht autofrei.
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Die Praxis: Es gibt im Zentrum keine Parkplätze mehr, kein langes Suchen, keinen Durchgangsverkehr. Autos dürfen nur zum Liefern für maximal 10 Minuten rein. Die Straßen wurden zurückgebaut, sodass Kinder überall auf dem Asphalt spielen können.
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Das Aha-Ergebnis: Die CO2-Emissionen in der Innenstadt sanken um 70%. Der lokale Einzelhandel boomt (weil Menschen lieber zu Fuß einkaufen), und seit der Umstellung gab es in der Innenstadt keinen einzigen tödlichen Verkehrsunfall mehr.
3. Marburg & Hannover (Deutschland) – Radikale kommunale Wenden
Auch in Deutschland bewegen sich Städte abseits von Tübingen sehr mutig:
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Marburg (Hessen): Marburg hat als erste deutsche Stadt eine solare Baupflicht auch für Bestandsgebäude beschlossen. Wer dort sein Dach grundlegend saniert, muss eine Solaranlage installieren. Zudem hat die Stadt ein „Klimabonus“-System eingeführt, das lokales, gemeinwohlorientiertes Verhalten direkt belohnt.
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Hannover (Niedersachsen): Hannover hat unter dem Oberbürgermeister Belit Onay einen radikalen Plan beschlossen: Bis 2030 soll die gesamte Innenstadt weitgehend autofrei werden. Parkplätze im öffentlichen Raum werden konsequent eliminiert und in Kulturflächen, Außengastronomie und Grünanlagen umgewandelt. Autos werden konsequent in Parkhäuser am Rand verbannt.
4. Gent (Belgien) – Der „Plan Circulation“
Gent hat 2017 bewiesen, wie man das Verkehrssystem einer Großstadt innerhalb eines einzigen Wochenendes komplett umkrempelt.
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Der totale Wechsel: Die Stadt wurde in sechs Sektoren aufgeteilt. Autofahrer können nicht mehr von einem Sektor in den nächsten fahren – sie werden gezwungen, dafür den äußeren Autobahnring zu nutzen. Nur Radfahrer, Fußgänger und der ÖPNV kommen direkt von Viertel zu Viertel durch.
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Das Aha-Ergebnis: Innerhalb von nur einem Jahr stieg der Radverkehr um 25%, der Autoverkehr sank drastisch, und die Luftqualität verbesserte sich schlagartig. Das Projekt war so erfolgreich, dass der verantwortliche Stadtrat, der anfangs Morddrohungen erhielt, mit Traumergebnissen wiedergewählt wurde.