Datenschutz & Pre – Crime

Dokumentation auf Arte Pre-Crime

Eine Überblick auf die DSGVO findet man auf entwickler.de

Mein Geschimpfe zu dem Thema, findet im folgenden.

In unserer Industriegesellschaft sind die Menschen darauf geprägt Geld zu erwerben und noch wichtiger, zu konsumieren. Große Teile der Politik, Wirtschaft und Medien setzen alles daran, um diesen Status Quo aufrecht zu erhalten. So hat es mich doch einigermaßen verwundert, als in  vielen Medien verbreitet wurde: wir brauchen eine neue Datenschutzverordnung, damit jeder das Recht auf Anonymität hat und die großen Firmen wie Google, Facebook etc. daran gehindert werden, Daten zu sammeln und auszuwerten, um mit benutzerspezifischer  Werbung Geld zu verdienen. Das widerspricht doch eigentlich dem Credo des Kapitalismus und deren Parteien, wo es darum geht die Wirtschaft zu fördern, die Kaufkraft zu stärken, Arbeitsplätze zu schaffen und den Konsum zu fördern.

Ich finde Datenschutz nicht ganz unwichtig, allerdings habe ich bei der Datenschutzverordnung, den Eindruck, als lebten die Gesetzgeber nicht in dieser Realität. Dinge wie, auf jeder Html Seite muss ein Link zur einer Datenschutzverordnung eingefügt werden, oder Cookies müssen erst vom User erlaubt werden, sind nur einige dieser Merkwürdigkeiten, die ich nicht nachvollziehen kann. Techniken, wie Cookies haben einen bestimmten Sinn, damit Webseiten funktionieren. Damit werden Aktionen des Nutzers auf dem Rechner des Nutzers gespeichert und können beim nächsten Besuch der Seite abgefragt werden, (zum Beispiel Hintergrundmusik aus oder an). Wer jedoch keine Cookies haben möchte kann die Funktion im Browser deaktivieren, also wozu dann noch die explizite Auswahlmöglichkeit auf den Webseiten?  Nun reicht es nicht mehr aus einmal im Browser die Cookies zu deaktivieren nun wird jeder immer wieder aufgefordert zuzustimmen oder nicht. Solche Regeln sorgen für unnötigen Datenverkehr und nerven die User. 

Impressumspflicht ist auch so ein Schwachsinn, den es nur hierzulande gibt. Impressumspflicht bedeutet, jeder Webseiten braucht ein Impressum auf dem sein Name und Adresse steht. Dieses Impressum sowie eine Datenschutzerklärung muss von jeder einzelnen Seite aus mit höchstens einem Klick (Link) erreichbar sein. Zumindest für die de-Domains, konnte man vor der neuen Datenschutzverordnung bei der www.denic.de nachschauen auf welchen Namen eine de-Domain registriert ist. Das macht ein Impressum auf eine de-Website eigentlich überflüssig, denn das ist an zentraler Stelle abrufbar und auch nicht manipulierbar. Neuerdings ist es so, dass die Daten bei www.denic.de aus Datenschutzgründen nicht mehr öffentlich einsehbar sind, aber die Impressumspflicht besteht. Bei der denic geniessen die Websitebetreiber Datenschutz aber auf der Website müssen sie diese Daten preisgeben. Wer denkt sich sowas aus? Ist das Dummheit, Langeweile, Übereifer? 

Die Mehrheit der Deutschen wissen nicht, wie das Internet funktioniert, was gespeichert wird und was nicht. Daran haben auch Millionen von Datenschutzerklärungen auf zig Webseiten nichts geändert. Das ist genauso sinnlos, als bekäme man zu jedem gekauften Brötchen eine Lebensmittelverordnung dazu. Recht wird doch nicht rechtskräftig, weil man die Gesetzestexte millionenfach verbreitet. Das führt nur dazu, das die Umwelt mit Papier und das Netz mit überflüssigen Daten zugemüllt wird. Komisch, dass gerade die Grünen für diesen Schwachsinn maßgeblich verantwortlich sind. Einen Effekt haben diese Maßnahmen jedoch, die Leute merken, dass sie ständig die Wahl haben Datenschutzssachen zuzustimmen oder nicht. Das erweckt den Eindruck, als hätten Politiker sich um die Belange der Menschen gekümmert. Das ist zwar nicht der Fall aber die Wählerstimmen sind gesichert.

Wenn es darum gehen würde, die Menschen aufzuklären und deren Interessen zu schützen, hätte man das einfacher haben können, beispielsweise, indem jedes Programm welches Webseiten darstellt einen Verweis auf eine zentrale Webseite liefert, wo auf verständliche Weise erklärt wird, wie das Internet funktioniert, so könnten diese das Netz nutzen wie es ihnen beliebt. Dann wüssten sie was Cookies sind und könnten sie gleich im Browser deaktivieren, aber sie würden es wahrscheinlich lassen, weil sie keine Angst mehr davor hätten. Dann würden sie sich bei der denic über den Webseitenbetreiber informieren und Facebook hätte nie eine Chance gehabt.

Nutznießer dieser Pflicht zur Datenschutzverordnung sind unter anderem die Menschen, die aus diesem Unsinn Profit schlagen, wie Abmahner und andere Kläger, die sich angeblich in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt fühlen, weil Sie eine Webseite ohne Datenschutzerklärung besucht haben oder weil ihr Vermieter eigenmächtig ein Türschild mit seinem Namen angebracht hat.

Anstatt für schnelle Leitungen zu sorgen, wird der Datenverkehr durch die Maßnahmen der Datenschutzverordnung erhöht und somit wird das Netz noch langsamer. Der Ausbau des Netzes steht vor den Wahlen bei allen großen Parteien ganz oben auf der Agenda, aber nichts passiert. In den letzten Winkeln der Erde gibt es ein besseres Netz als hier in Deutschland. Armes Deutschland.

Anstatt die Usability des Internets kaputt zu machen, wäre es viel sinnvoller dafür zu sorgen, dass die genannten Firmen in angemessener Weise Steuern zahlen, denn das ist nicht der Fall. Da haben einige Politiker Angst, dass als Gegenreaktion auf erhöhte  Steuern für amerikanische Firmen wie Facebook, Apple etc. die Einfuhrzölle auf deutsche Autos erhöht werden. Das zarte Pflänzchen Autoindustrie muss man schützen, das hat Priorität.

Es ist aber nicht nur das Internet welches hier kaputt gemacht wird, das Leben erschwert und die Umwelt belastet. Hier einige weitere Beispiele:
Beim Arztbesuch muss man schriftlich erklären, dass die Daten an die Krankenkasse weitergeleitet werden.
Lehrer dürfen die Klassenarbeiten nicht mehr am heimischen Rechner benoten, wenn dieser nur mit einer normalen Firewall geschützt ist. Das ist nur noch an dem einen Schulrechner möglich der besonders geschützt ist.
Es gibt ein Programm für den Unterricht an einer Schwerhörigenschule. Dort wird die Sprache des Lehrers in Schrift dargestellt, so das auch gehörlose Menschen dem Unterricht folgen können. Das Programm darf aus Datenschutzgründen nicht eingesetzt werden, es sei denn der Text würde sofort wieder gelöscht. Somit wäre das Programm allerdings unbrauchbar.

Wenn jemand deine Kontodaten kennt und dort unrechtmäßig Abbuchungen vornimmt, die du erst zu spät bemerkst, darf dir die Bank aus Datenschutzgründen nicht den Namen und Adresse dieses Missetäters nennen. Somit hast du keine Möglichkeit, dein Geld zurück zu fordern.

Es werden nicht die Daten der Bürger geschützt sondern die Bürger werden vor den Daten geschützt. 

Auch das Ausspionieren und Überwachen von Menschen wird durch die Datenschutzverordnungen nicht unterbunden, denn Behörden  wie Polizei und Verfassungsschutz sind doch gar nicht Thema in der Debatte. Rechte die Menschen in Bezug auf Unternehmen haben, gelten nicht für diese Behörden. Die werden bewusst ausgeklammert. Der Focus richtet sich auf „Facebook und Co“, vielleicht, um von den Staatsorganen abzulenken.

Außerdem  ist das Thema in den Medien so häufig breitgetreten worden ohne dabei zu informieren, so dass die Menschen einfach nur noch genervt sind denn sie verstehen es nicht und werden ständig mit inkompetenten Geschwafel darüber belästigt. Bestes Beispiel eine Sendung in der ARD „Im Rausch der Daten„. 

Diese Abstumpfung ist eigentlich die ideale Voraussetzung für die totale Überwachung, die weit über benutzerspezifische Werbung hinaus geht.
Nun kann man die Daten für alles nutzen, womit sich Geld machen lässt, beispielsweise „Pre-Crime“ oder Wahlkampf a la Trump und „Cambridge Analytica“.

Pre – Crime

In London und anderen großen Städten werden unter dem Begriff „Pre-Crime“ Programme genutzt, welche die Kriminalität einschränken sollen. Hier werden Menschen durch gezielte Überwachung und Auswertung verschiedenster Daten, wie Wohnsitz, Umfeld, Bekannte, Facebook Posts etc. in einer Datenbank gespeichert und mit einem Punktsystem kriminalisiert.
Die Programme und Algorithmen mit denen da gearbeitet wird, sind so ungenau, dass es dazu führt, dass auch Menschen kriminalisiert werden, die nicht kriminell sind. Spätere Generationen werden den Kopf schütteln, über eine derartige Fortschrittsgläubigkeit und ein Vertrauen in Programmiertechniken, deren Algorithmen von den Betreiben der Programme noch nicht einmal offen gelegt werden.

Das menschliche Verhalten ist so komplex, dass man es nicht mit einem Algorithmus erfassen kann. Wer einmal in der Datenbank landet, bleibt drin. Die Tatsache, dass Menschen sich ändern können, kommen in dem Algorithmus nicht vor. Der Focus liegt auf Menschen bestimmter Rasse, Gruppenzugehörigkeit, ärme Wohngegend kurzum den Menschen, die eh nicht gehört werden, den sogenannten Loosern. Wer einen Mörder kennt und auch noch Hasch raucht bekommt vorsorglich schon mal eine Vorwarnung mit der Aufforderung sein Verhalten zu ändern. Pre- Crime verhindert nicht die Kriminalität sondern kriminalisiert die Menschen.
Ein Programm zur Vorhersage von Wirtschaftskriminalität wird da eher nicht eingesetzt, obwohl das auf ähnlich Weise programmierbar wäre. So könnten beispielsweise Leute, die eine Banklehre machen oder Wirtschaft studieren in die Datenbank aufgenommen werden. Auch die Adresse in einer teuren Wohngegend wäre schon irgendwie verdächtig und würde ein paar kriminelle Zusatzpunkte bringen.

Das Beispiel stuft man sofort als Satire ein. So etwas ist unvorstellbar. Die reale Pre- Crime Variante ist nicht so unglaublich. Die Angst vor den Minderbemittelten ist bei vielen schon fester Bestandteil ihres Denkens. 

In Mediathek auf  Arte kommmt zur Zeit (Okt 2018) eine informative Sendung zum Thema Pre-Crime. Besonders die zweite Hälfte ist ganz interessant.
https://www.arte.tv/de/videos/061675-000-A/pre-crime

Ich bin zu dem Schluss gekommen, Gesetze werden nicht auf der Grundlage von Logik, Fakten oder wissenschaftlichen Erkenntnissen gemacht, sondern aus anderen Gründen. Vielleicht ist es Inkompetenz oder es geht mal wieder um Wählerstimmen. 

Vielleicht bin ich ja auch einfach zu blöd, das alles zu verstehen und vielleicht sollte ich einfach mal kompetenten Menschen wie Innenminister Hans Seehofer zuhören, um zu lernen wie das Internet funktioniert. Auf einer Konferenz zur künstlichen Intelligenz erklärte er: “ Künstliche Intelligenz ist nicht, wenn man ein Papier ins Internet stellt“. Ja das war mir neu. Im Verlaufe der Rede konnte man dann erahnen, dass er der Auffassung ist, künstliche Intelligenz ist eine einfache Datenbankabfrage. Auch das war mir neu. Schade dass es keine Youtube Tutorials von Hans Seehofer über das Internet gibt.